Pferdefleisch – eine emotional umstrittene Delikatesse

Rind, Schwein, Huhn oder Pute: der Verzehr dieser Fleischprodukte ist für Nicht-Vegetarier normal. Aber Pferde? Einst recht gängig, hat Pferdefleisch in Deutschland heute eher Seltenheitswert.

Pferdefleisch zählt tatsächlich zu den ältesten Nahrungsmitteln unserer Geschichte; und dennoch ist es heute zu einem absoluten Nischenprodukt geworden. Woran liegt das?

Ein entscheidender Grund mag der immer größer werdende Privatbesitz von Pferden sein. Früher besaßen meist Landwirte oder Reitschulen viele Tiere, die in ihrem letzten Lebensabschnitt zur Schlachtung vorgesehen waren. Heute sind Pferdebesitzer meist Privatpersonen, die sehr an ihrem Tier hängen. Eine starke emotionale Bindung, ein langer, gemeinsamer Weg im Leben zwischen Mensch und Pferd verhindert oft bereits allein den Gedanken an eine spätere Schlachtung. Folglich steht für Nachfragende heute immer weniger Angebot an Pferdefleischprodukten zur Verfügung. Aktuell gibt es in Deutschland ca. 100 Pferdemetzgereien mit teilweise eigener Schlachtung und Vermarktung.

Lässt man die Realität jedoch in das persönliche Gedankenkarussell einsteigen, so kann man Pferdefleisch durchaus guten Gewissens eine Chance geben. Pferde werden nicht wie Millionen Schweine, Rinder oder Federtiere zum Schlachten in Ställen gezüchtet. Pferde verbringen den Großteil ihres Lebens auf der Weide. Massentierhaltung oder eine gezielte Zucht von Schlachtpferden kommt in Deutschland gar nicht erst zum Tragen. Die zur Schlachtung vorgesehenen Pferde stammen meist aus landwirtschaftlichen Betrieben oder aus Pferdesportanlagen aus der Region des jeweiligen Metzgers. Der regionale Bezug der Schlachttiere garantiert somit einen stressfreien Transport und eine einwandfreie Fleischqualität.

Schlachten oder nicht – der Pferdepass klärt auf

Grundsätzlich gilt jedes Pferd vor dem Gesetz zunächst als schlachtfähig. Durch den Equidenpass, oder auch Pferdepass genannt, kann jeder Pferdebesitzer dies jedoch selbstbestimmt ändern.

Der Equidenpass ist ein Dokument über die Identität des Pferdes und dient als Nachweis über den gesundheitlichen Status des Tieres und seines Stalles, insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Pferd in der EU eben auch ein Lebensmittellieferant ist. Hierbei wird besonderes Augenmerk auf die medikamentöse Belastung von Schlachttieren gelegt.

Ein im Pferdepass als Schlachtpferd geführtes Tier darf dahingehend bestimmte Medikamente nicht mehr bekommen, vor allem solche, die aus der Humanmedizin in die Tierbehandlung übernommen wurden. Damit wird verhindert, dass Rückstände davon ins Fleisch gelangen.

Entscheidet sich ein Pferdebesitzer gegen die Schlachtung seines Pferdes, so ist er verpflichtet, das Tier auch im Alter zu pflegen und versorgen. Getötet werden darf das Tier nur, um übermäßiges Leiden zu vermeiden.

Gesundes bewusst genießen

Die Deutschen essen durchschnittlich 60 Kilogramm Fleisch pro Person und Jahr, hauptsächlich Schwein, Rind und Hühnchen. Aber auch von Pferdefleisch darf sich hierbei gerne eine Scheibe abgeschnitten werden, denn: Pferdefleisch ist sehr gesund. Im Vergleich zu Rind enthält es nur halb so viel Fett, dabei liefert es unserem Körper gleichzeitig doppelt so viel lebensnotwendiges Eisen und fast dreimal so viel Kalzium, wie andere tierische Produkte. Im Vergleich zu Rindfleisch ist

Pferdefleisch zarter und hat einen feinen, unaufdringlichen Eigengeschmack. Kenner wissen, dass, wenn es ungewürzt verzehrt wird, leicht süßlich schmeckt. Dies liegt in rund 400 Milligramm Glykogen pro 100 Gramm Pferdefleisch; in Rindfleisch sind es dagegen nur 60 Milligramm Glykogen. Äußerlich wird es häufig mit Wild verglichen, da es eine ähnliche dunkle Färbung aufweist.

Als Frischfleisch wird es vor allem als Braten oder zum Kurzbraten wegen seiner Zartheit geschätzt. Zur Grillsaison punktet das Fleisch in Form von eingelegten Steaks aus Lende oder Filet oder mit verschiedenen Würstchen.

Kunden, die bei einem Pferdemetzger einkaufen, entscheiden sich bewusst und gerne für dieses Produkt und wissen die Vorteile zum Verzehr dieses Fleisches zu schätzen.

Winkelplast zu Gast

Wir als Winkelplast GmbH hatten die Möglichkeit, einen dieser wenigen, noch verbleibenden deutschen Betriebe kennenzulernen und durften in den vergangenen Wochen einen Einblick in die Arbeit und den Alltag dieses speziellen Metzger-Handwerks erhalten.

Wir haben mit unserem Team und unseren Produkten dazu beitragen, verschiedene Räumlichkeiten einer 1949 gegründeten Traditionsmetzgerei aus dem Freistaat Bayern zu sanieren. Wir sind dankbar für diese Möglichkeit und freuen uns einen kleinen Beitrag geleistet zu haben, dass diese Tradition fortgeführt werden kann. Details zu unseren Arbeiten sowie einen kleinen Einblick in das Ergebnis finden Sie hier:

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